Tibbis und Schnee

Hallo liebe Freunde der Tibet Terrier. Mein Name ist Ghar maa Kumbhakarna Dhaulagiri, aber alle nennen mich nur Dhaula; ich bin der Rüde aus der Gang der Ghar maa Kumbhakarna Tibbis. Meine Zweibeiner haben ja einen schönen Bericht geschrieben über uns Tibbis in den Bergen. Heute muss ich mich aber selber einmal zu Wort melden, denn es gibt noch etwas viel, viel Schöneres für uns vier Tibbis. Was das ist wollt Ihr wissen? Wartet ab, ich erzähle es Euch.
Mitte Februar 2006 packten unsere Zweibeiner das Auto, da stand wohl ein schöner Ausflug an. Aber mehr und mehr wurde eingepackt, als sie dann auch noch unsere vier Hundebetten auf der Ladefläche des Kombis verstauten war uns Vieren klar, es geht in den Urlaub. In Hamburg machten wir Zwischenstation, schade dass mein großer Freund Baxter (Rhodesien Ridgeback) nicht mehr da ist. Auf dem Morgengang trafen wir einen halbwüchsigen Tibbi aus der Nachbarschaft. Der war für sein Alter ganz schön frech und grummelte mich direkt an. Ich zeigte ihm aber einfach nur die kalte Schulter, denn mich interessierte viel mehr, wie es heute weitergehen würde. Nach dem Frühstuck packten die Zweibeiner unsere Betten wieder ein und weiter ging die Fahrt. Nach kurzer Zeit standen wir mit dem Auto auf der Fähre. Dann wieder einige Stunden Fahrt und erneut eine Fähre. Das kennen wir doch irgendwie. Jannu, meine Mutter und unsere clevere Rudelchefin bestätigte die Vermutungen von uns Dreien. Es ging offensichtlich in unsere Stuga nach Schweden. Während die drei Mädchen in ihren Betten ruhten musste ich doch häufiger einmal Ausschau halten, ob die Zweibeiner auch den richtigen Weg nahmen. Am Abend standen wir dann endlich vor unserer Stuga. Als die Hecktür aufging sahen und rochen wir es und waren völlig aus dem Häuschen. Denn wenn es etwas gibt das wir noch mehr lieben als die Berge, dann ist das der Schnee und besonders der lockere und trockene hier in Schweden. Raus aus dem Auto und erst einmal ein paar Runden um das Haus herum geflitzt. Wir hätten nicht gedacht, dass hier im Februar noch so viel Schnee liegen würde.
Am nächsten Morgen mussten die Zweibeiner erst einmal die Einfahrt freischaufeln, damit sie das Auto unter das Carport stellen konnten. Natürlich halfen wir kräftig mit und schafften uns auch selbst einen ausgetretenen Flitzeweg im hohen Schnee um unser Haus herum. Später unternahmen wir dann noch einen schönen Spaziergang von etwa 1½ Stunden, den Seeweg wie die Zweibeiner die Tour immer nennen. Der Wanderweg der kurz unterhalb unserer Stuga beginnt war zwar geräumt aber immer noch mit einer dicken aber festen Schneeschicht bedeckt. Als wir abgeleint wurden stoben wir auch direkt den Weg entlang. Plötzlich schoss ein schwarzer Schatten an mir vorbei, was war das denn ich war völlig überrascht. Es musste wohl meine Mama Jannu gewesen sein, denn sie lief jetzt einige Schritte vor mir mit freudig wedelnder Rute und hocherhobenem Kopf. Sie dreht hier im Schnee und der trockenen Kälte immer mächtig auf und man kann prima mit ihr toben. Nur ganz so wild wie mit Mima darf das Spiel nicht sein, dann zickt sie uns immer an. Das ist auch ganz in Ordnung so, denn schließlich ist sie mit ihren 10 Jahren schon eine gesetztere aber immer noch topfitte Dame. Mima, der jüngste Spross unserer Gang hat sich zu einem richtigen Schneeschwein entwickelt. Sie musste direkt mit Anlauf über die Schneewälle am Wegesrand hinweg in den tiefen Schnee hinein springen, in dem sie oftmals bis zum Bauch versank. Ansonsten versuchte sie permanent entweder mich oder ihre Mama Amji zum wilden Spiel zu animieren. Manchmal ist es ganz gut, wenn die beiden Mädels miteinander spielen, denn dann kann ich mich besser um meine Fellpflege kümmern. Dazu habe ich mich während unserer Spaziergänge immer wieder mit Anlauf auf den Boden geworfen und mich ausgiebig im Schnee gewälzt. Frauchen hat zwar fast einen Anfall bekommen da sie meinte es würden mehr Haare von mir im Schnee liegen als ich noch am Körper hätte. Und wie das denn mit so wenig Haaren bei den Ausstellungen gehen sollte. Aber ich empfand das als perfekte Pflege meines Fells und Ausstellungen, seien wir doch einmal ehrlich, die gibt es ja immer wieder, aber diesen feinen Schnee muss man doch einfach ausnutzen. Oder was meint ihr dazu. Außerdem habe ich doch nur meinem Namen alle Ehre gemacht, denn schließlich bedeutet Dhaulagiri ja „weißer Berg“.
So tobten wir den ganzen Weg entlang und kamen schließlich müde wieder an unserer Stuga an. Obwohl unsere Pfoten und Beine vor den Spaziergängen immer eingecremt werden, was wir übrigens gar nicht so gern mögen, mussten heute ein paar kleine Schneebollen zunächst abgespült werden, bevor wir ins Zimmer durften. Nach ein paar Tagen hatten sich unsere Füße aber umgestellt und es blieb kaum noch etwas an ihnen oder am Fell hängen. Und wenn wir wie die Wilden umherflitzten hatte der Schnee ohnehin keine Chance kleben zu bleiben.
Das Wetter war die ganze Zeit recht gut und so sind wir jeden Tag zu einem schönen Schnee-Spaziergang gestartet. Toll waren auch die Abstecher zu unserem Bade-See. Im Sommer ist der uns Allen ein wenig suspekt, denn Wasserhunde sind wir keine. Aber jetzt war es eine große, dick zugefrorene und verschneite ebene Fläche auf der man wunderbar flitzen und spielen konnte. Auch der große Rundweg hat uns sehr gut gefallen, obwohl das letzte Stück entlang der Sommerweiden der Kühe und hinter Bertolds Haus mächtig verweht und daher nicht nur für uns Vierbeiner ganz schön anstrengend zu gehen war.
Am Sonntag unternahmen wir einen ganz besonderen Gang. Es ging nach Jettadahlen, dem Tal der Riesen. Bereits im Sommer sind die schmalen Pfade in einer urigen Landschaft absolut super, aber jetzt im Winter, kaum zu toppen. Der schmale Weg war natürlich nicht geräumt, es gab nur ein paar ältere Fußspuren und ansonsten tiefen Schnee. Im steileren Teil des Aufstieges sind mittlerweile für die Zweibeiner Seilgeländer angebracht worden. Wir Tibeter brauchen solche Hilfsmittel natürlich nicht und haben den Weg über die verschneiten Felsen springend mehrfach bewältigt bis unsere Zweibeiner auch endlich oben ankamen. Weiter ging es über das Hochplateau. Amji, Mima und ich liefen immer an der Spitze durch den hohen Schnee. Meine Mama Jannu nutzte hier schon häufiger die Fußstapfen der Zweibeiner, ja in diesem Gelände sind wir größeren Tibbis mit den längeren Beinen klar im Vorteil. Unser vom Sommer gewohnter Rastplatz kurz vor dem Abstieg war ebenfalls tief verschneit. Da er aber teilweise in der Sonne lag, legte ich mich auf dem großen Felsen für eine Weile in den Schnee. Nach kurzer Pause gingen wir aber weiter, denn so stark wärmte die Sonne um diese Zeit noch nicht. Mima breschte fullspeed los den Abstieg hinab, wir natürlich direkt hinterher. Wo bleiben denn mal wieder die Zweibeiner, da müssen wir doch einmal nachschauen. Fluchs gewendet und den ganzen Hang wieder hinaufgesprintet. Die brauchen aber mal wieder lange und ich dachte immer, die gehen aufrecht und rutschen nicht auf dem Hinterteil über den Schnee. Wir haben doch durch unser ständiges Hin- und Her-Rennen schon eine ganz tolle Spur gelegt. Schließlich hatten aber auch die Zweibeiner den Abstieg geschafft und wir waren wieder Alle auf der großen Weide versammelt. Wir Tibbis konnten noch ein wenig spielen und natürlich Fellpflege betreiben. Mima versuchte jetzt auch wenn sie nicht ohnehin bis zum Bauch im Schnee stand, sich im Schnee zu wälzen. Die Technik muss ich ihr aber noch einmal zeigen, denn sie gibt dabei ein sehr lustiges Bild ab. Der Rest des Weges bis zum Parkplatz an der Kirche war dann nur noch ein Klacks für uns. Wir haben aber schon einige Zeit länger gebraucht als im Sommer und zu Hause hat sich heute sogar Mima länger als gewohnt im Wohnzimmer ausgeruht.
Am Dienstag hatte es abends ganz leicht angefangen zu schneien. Am nächsten Morgen lagen etwa 15cm frischer Schnee und es schneite immer noch leicht. Wir gingen zu Bertold, einem Bekannten, der mit seiner Frau Mona das ganze Jahr über hier wohnt. Durch den unberührten Schnee fegten wir wie eine wilde Horde. Ich sage Euch, das hat gefetzt. Leider musste insbesondere ich zu Bertolds Dackelmädchen heute einen größeren Abstand halten und durfte auch nicht mit ihm spielen. Das verstand ich allerdings gar nicht, wo sie doch auch noch so gut roch. Weiter ging es über die ungespurten und zugewehten Jägerpfade. Da standen wir wieder teilweise bis über den Bauch im Schnee, aber auch unsere Zweibeiner hatten so ihre Probleme mit dem Vorwärtskommen. Leider war der Schnee heute etwas feuchter als sonst, so dass sich trotz wildem Rennen ein paar Schneeklumpen an den Füßen bildeten. Die mussten zu Hause dann erst einmal im warmen Wasser aufgetaut werden. Dann aber nichts wie ab in die warme Stube und eine Runde geschnarcht. Leider war nach zwei Wochen im schwedischen Schnee unser Urlaub schon wieder zu Ende. Zurück fuhren wir zunächst bis in die Heide, wo wir in der Winterzeit in einer Pension immer Zwischenstation machen. Sogar hier hatte es beim Morgengang geschneit und es schneite auch jetzt noch leicht. Zu Hause lagen ebenfalls fast 30cm Schnee, der war aber viel viel feuchter als in Schweden und es machte entsprechend nicht ganz so viel Spaß darin herum zu toben. In den nächsten Tagen taute der Schnee, dann wurde es aber wieder kalt und auf den gefrorenen Wiesen lag eine ganz dünne Schneeschicht. Unsere Zweibeiner meinten zwar, dass dieses Wetter sehr ungewöhnlich sei für den März aber wir fanden es einfach nur klasse. So, jetzt wisst ihr was uns mindestens genauso gut, wenn nicht noch besser gefällt als die Berge.

Viele Grüße an alle Tibbis und Tibbi-Freunde von Dhaula, Jannu, Amji und Mima und natürlich von unseren zwei Zweibeinern